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Neuorganisation der Reise


Gleich am Morgen rufe ich den Bahnspezialisten an. „Herr Katzer, sie sind ja noch da?“, wundert sich Herr Hahn. „Ja, wir hatten kein Transitvisum für Weißrussland. Warum haben sie uns nicht darauf hingewiesen dass wir das dringend benötigen?“ „Das tut mir leid. Ich sage es allen meinen Kunden. Aber sie sind für mich der absolute Reiseprofi. Ich dachte sie wissen das.“ „Nein, wusste ich nicht. In der Vorbereitungszeit für eine große Reise wissen wir vor lauter Arbeit oft nicht wo uns der Kopf steht. Da kann ich mich unmöglich um alles kümmern. Das ist der Grund warum ich gerne mit Spezialisten arbeite und wie in diesem Fall so eine komplizierte Bahnfahrt von ihnen organisieren lasse“, antworte ich freundlich, weil das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, und es auch nicht mehr rauskommt wenn ich meinen Gegenüber anklage. „Der Schaden ist nicht unerheblich. Die Züge sind alle weg. Haben wir eine Chance auf Rückerstattung?“, möchte ich wissen. „Also die Transsibirische Bahn fährt erst heute Nacht. Das kann ich sofort stornieren. Da bekommen sie alles wieder zurück. Bei den anderen Tickets sind die Chancen auf eine Rückerstattung sehr gering. Aber vielleicht geht da auch noch was. Ich kümmere mich darum“ „Oh das klingt ja fantastisch. Wir hätten nie damit gerechnet überhaupt etwas erstattet zu bekommen, geschweige denn das komplette Transsib-Ticket“, freue ich mich. „Kein Problem das werde ich umgehend in die Wege leiten aber wie kommen sie jetzt nach Moskau? Ein Viermannabteil ist die kommenden vier bis sechs Wochen nicht mehr buchbar“, sagt Herr Hahn mit besorgten Tonfall in der Stimme. „Keine Ahnung, wir sind gerade am Neuorganisieren. Vielleicht fährt uns jemand mit unserem Sprinter nach Moskau. Denke wir werden morgen mehr wissen. Ich melde mich wieder.“

Kaum ist das Gespräch beendet setzen wir alle Hebel in Bewegung um so schnell als nur möglich ein klares Bild zu bekommen wie es nun weitergeht. Wir telefonieren was das Zeug hält und fragen Freunde ob sie jemanden wissen der uns nach Moskau fährt. „Ach du bist es Denis. Dachte schon dass etwas mit dem Geotracking kaputt ist. Habe ständig auf Neuladen gedrückt.“ „Nein mit dem Tracking ist alles okay. Wir sitzen in Frankfurt Oder fest“, sage ich und erkläre Stefan die ganze Geschichte. Dann frage ich ihn ob er uns nach Moskau fahren möchte. „Denke ich habe zu viel zu tun aber ich werde jemanden finden. Das verspreche ich dir“.

Viele Freunde von uns sind wegen dem neuen Geotracking, welches wir auf unserer Newsseite eingerichtet haben, besorgt. Man konnte unsere bisherige Reiseroute verfolgen und sehen wie sich der Punkt in der Karte in Frankfurt Oder festgebissen hat. Seit wir den Zug verlassen haben war man nur noch in der Lage unsere kurzen Wege ins Restaurant und zurück zu sehen. Die ersten besorgten Mails erreichen uns. „Dieses Geotracking ist Fluch und Segen zu gleich“, meint Tanja. „Stimmt, wir können jetzt nicht mehr unsere Doubles auf Expedition schicken und selbst auf Hawai chillen“, scherze ich. „Außer wir geben unseren Double den Sender fürs Tracking mit?“, lacht sie.

Es ist 12:30 Uhr. Wir sitzen neben unserer Ausrüstung vor dem Hotel und warten auf Meike. Meike ist die Hundemutter von Henkie, dem spanischen Freund von Ajaci. Aber da sie auch unsere Freundin ist hat sie uns gestern Abend noch Angeboten uns heute mit unserem Sprinter abzuholen. Zum Glück ist der noch nicht abgemeldet. Das wird Matthias, ein Freund in der Nachbarschaft, übernehmen.

12:31 Uhr. Meike fährt mit unserem Transporter auf den Parkplatz vor dem Hotel. Wir begrüßen uns freudig und umarmen uns als hätten wir uns schon seit Jahren nicht mehr gesehen. „Es ist fantastisch, dass du uns trotz deines Umzuges ins neue Haus abholst“, sagt Tanja als wir Frankfurt Oder hinter uns lassen. „Wozu sind Freunde da? Nicht nur zum Feiern sondern auch wenn man sie braucht“, antwortet die Holländerin ausgelassen. „Warum habt ihr nicht von Frankfurt Oder euren Neuaufbruch organisiert?“, möchte Meike wissen. „Denke es ist besser dies von Zuhause aus zu machen. Wir benötigen neue Russlandvisa, dazu jetzt die Weißrusslandtransitvisa, wir müssen eventuell unsere Fahrt nach Moskau mit dem eigenen Sprinter organisieren, vielen Menschen und Sponsoren mitteilen warum der Start gescheitert ist und wann wir eventuell wieder aufbrechen. Es gibt geradezu ungeheuer viel zu organisieren und das wird mindesten eine Woche oder länger dauern. Da sind wir froh wenn wir in unserem Büro sitzen und nicht in einem teuren Hotel“, erkläre ich.

Am nächsten Morgen gehen wir beim ortsansässigen Bäcker erstmal frühstücken. Meiner Intuition folgend rufe ich Herrn Hahn an und frage ob es nicht doch noch ein freies Abteil, in dem fast immer ausgebuchten Zug, nach Moskau gibt. „Sieht nicht gut aus“, meint er. „Dann müssen wir mit dem Transporter nach Moskau. Leider gibt es bei keinem Autoverleiher eine One-Way-Möglichkeit mit dem Mietwagen nach Moskau zu gelangen. Alle Verleiher verpflichten den Mieter das Fahrzeug wieder zurückzubringen. Bisher haben wir noch keinen Fahrer der uns die 2.300 km in diese Weltmetropole bringt und unseren Sprinter wieder zurückfährt“, erkläre ich. „Halt ich glaube ich bin fündige geworden“, antwortet Herr Hahn plötzlich. „Wie fündig? Gibt es noch ein Abteil?“ „Es gibt ein VIP-Abteil. Kostet für zwei Personen das Doppelte als ihr vorheriges Viermannabteil. Da ist am 5. Juli tatsächlich noch eins frei und es ist sogar etwas größer.“ „Das nehmen wir“, sage ich spontan. „Gebucht“, antwortet Herr Hahn wenige Minuten später. „Denke wir werden unsere Räder in Kartons verpacken. Dann besitzen wir rein optisch noch mehr Gepäck aber die können sich nicht mehr über Fahrräder beschweren.“ „Und sie haben VIP Status. Das hilft sicherlich auch“, meint Herr Hahn. „Wollte schon immer mal als VIP reisen“, antworte ich lachend. Im weiteren Verlauf des Gespräches buchen wir auch die Transsib neu. Um mit der vielen Ausrüstung keine Probleme zu bekommen buchen wir zwei Viermannabteile. Das heißt wir haben nun acht Tickets. Das ist zwar kostspielig aber immer noch billiger als mit zwei Rädern, zwei Anhängern, einen Hund und viel Gepäck in der teuersten Stadt der Welt zu stranden. Und das könnte geschehen wenn die Russen uns wegen Übergepäck nicht in die Transsibirische Eisenbahn lassen.

Weil wir erst ein Russlandvisum brauchen um danach das Transitvisum für Weißrussland zu erhalten ist die Zeit bis zur erneuten Abreise wieder sehr knapp. Nach jetzigem Zeitplan wird das Weißrusslandvisa am Spätnachmittag des 02.07. ausgestellt. Die Visafirma sendet die Pässe dann mit Nachtkurier zu uns. Wir sollten sie am Freitag 03.07.15 haben. Weil wir diesmal nicht mehr das Risiko einer Bahnverspätung eingehen möchten fahren wir mit dem eigenen Transporter, und zwar schon am Samstag. So Gott will stehen wir dann am Sonntag früh am Bahndamm und warten wieder auf den Zug den wir schon mal verlassen mussten…

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die FirmenGesat GmbH: www.gesat.com und roda computer GmbH www.roda-computer.com Das Sattelitentelefon Explorer 300 von Gesat und das rugged Notebook Pegasus RP9 von Roda sind die Stützsäulen der Übertragung.

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