« Zurück       Weiter »

Fülle der asiatischen Betriebsamkeit und Ajacis Erfahrungen mit Lotusblüten

LINK ZUR REISEROUTE

Nach knapp einem Monat in Kep beladen wir unsere Räder. Der Himmel ist trüb und es regnet. Wir verlassen den angenehmen Ort, ein freundliches kleines Hotel, in dem man uns immer zuvorkommend behandelte. Im Rückspiegel wir der Strand von Kep immer kleiner. Die Küstenstraße windet sich noch ein paar Kilometer am Golf von Thailand entlang, bis sie sich urplötzlich vom Meer entfernt. Die erste halbe Stunde ist die Temperatur angenehm. Als die Sonne durch die Wolken spitzt wird es wie bald jeden Tag heiß und somit auch furchtbar schwül. Immer wieder strecken einige Tempel ihre goldenen Dächer in den Himmel. Da es hier so viele davon gibt, legen wir nur ganz selten einen Fotostopp ein. Ein junger Novize sitzt einsam auf dem Geländer und beobachtet uns zurückhaltend. Wir winken ihm freundlich zu, worauf er schüchtern seine Hand hebt. Dann durchradeln wir ein paar kleine Städtchen. Ungeheurer Lärm hämmert uns, aus in den Bäumen aufgehängten, an langen Stangen befestigten oder an Hausdächern installierten, Lautsprechern entgegen. In wenigen Tagen wird gewählt, oder zumindest lässt man die Bevölkerung im Glauben, in dem extrem korrupten Land mit ihrer abgegebenen Stimme etwas ändern zu können. Verschiedene Politiker halten Reden, die in ohrenbetäubender Lautstärke auf die Menschen unaufhörlich herabplärren. Man könnte meinen, je lauter desto eindringlicher, oder, je lauter desto glaubhafter ist das endlose Gefasel und die gebeugte Wahrheit einer bestechlichen und käuflichen Regierung. Mit klingenden Ohren erreichen wir die quirligen, hektischen und bunten Märkte im Zentrum der menschlichen Siedlungen. Auf manchen Straßen liegt endlos viel Müll. Alles, aber absolut alles wird einfach achtlos weggeworfen und von den Reifen der Lastwägen, Busse, Kleintransportern, Rikschas, Mopeds und Fahrrädern, platt gewalzt. Da wo der schwarze Gummi nicht hinkommt, wird das was sich noch nicht zu hundert Prozent mit der Erde oder dem groben, löchrigen Asphalt vereint hat, von den schuhlosen Füßen der zahlreichen Kinder und den ausgetretenen Gummilatschen der Erwachsenen verschmiert. Verwesungsgerüche von Pflanzen, Obst und Fleisch vereinen sich mit den Düften von Blumen, Räucherstäbchen und frischem Gemüse. Wir werden regelrecht eingesaugt von dem Gewimmel, der Fülle, der asiatischen Betriebsamkeit, dem Ameisenhaufen der Menschen. Eigentlich sollte ich anhalten, um den Wahnsinn an Bewegung und Gewusel, die Explosion an Farben, die Vermengung von Schmutz, Schönheit, Skurrilitäten und Eigenwilligkeiten festzuhalten, aber ich will nur eins, und das ist raus hier.

Dann plötzlich werden wir wieder ausgespuckt und landen in der Ruhe. Reisfelder gleiten an uns vorbei. Ochsenkarren kommen uns entgegen. Kühe stehen am Feldrand und fressen was sie kriegen können. Das eine oder andere Rind sieht trotz der unaufhörlichen Fressbemühungen so aus, als würde es bald verhungern. Zur Stärkung essen wir einen heißen Maiskolben, den wir am Straßenrand von einer Bäuerin erstehen. „Hello! Hello! Hello!“, schallen uns unaufhörlich helle unschuldige Kinderstimmen entgegen. Wir heben die Hand und winken zurück. Mangobäume, deren Äste sich unter der Last der reifen Früchte biegen, werden geerntet. Die Frauen halten eine lange Stange in die Höhe, an der sich eine Art Korb befindet. Damit fischen sie die Königin der Früchte aus den Ästen und bringen sie ohne Druckstellen zur Erde.

Immer wieder werden wir von haushoch beladenen Lastenmopeds und Lastenrikschas überholt. Ihre Ladung würde bei uns in Europa einen Kleintransporter in die Knie zwingen. Um uns von der abartigen Hitze und Luftfeuchtigkeit ein wenig auszuruhen, halten wir an einem Straßenrestaurant. Wobei das Wort Restaurant, für solch eine halbzerfallene, provisorisch aus Bambus errichtetes Hüttchen, massiv übertrieben ist. Um unsere aufgebrauchten Kraftreserven einen Boost zu geben, trinken wir eine in Eis liegende Cola. Seltsamerweise ist das süße Gesöff lauwarm. Entweder hat sie der Inhaber des Straßenstandes gerade erst in die mit Eiswürfeln gefüllte Kiste gelegt, oder das Eis schafft es bei der Affenhitze einfach nicht seinen Job zu tun. Egal, wir trinken je eine Dose davon, während Ajaci nervös auf und abläuft. „Was denn los? Jetzt gib doch mal Ruhe“, ermahne ich ihn. „Ich glaube er muss mal“, sagt Tanja, worauf ich mich ächzend erhebe, um mich mit ihm für ein paar Meter vom Essenstand zu entfernen. Vor uns liegt ein Lotusblütenteich. Das Wasser ist brackig, zumindest verbreitet es einen unangenehmen Geruch. Ajaci verwechselt das tückische, auf dem Stinkwasser dümpelnde Grün und die wunderschönen Blüten, mit einer Wiese und springt hinein. „Ajaci! Bist du irre?“, schimpfe ich, als er bis zum Hals in der Kloake versinkt und versucht ihr durch panische Hupfbewegungen zu entkommen. Kurze Zeit später steht er total verdreckt und stinkend neben dem Teich, strullert an dessen Ufer und kommt schwanzwedelnd angerannt. „Oh weh. Du siehst ja schlimm aus. Und wie du stinkst. Da nimmt uns doch kein Gästehaus“, lamentiere ich.

Wieder an der Essensbude angekommen versuche ich ihm den gröbsten Dreck aus dem Fell zu bürsten. „Und was machen wir jetzt mit dem Gestank?“, frage ich Tanja, die die Situation wieder einmal äußerst lustig findet. Nur ein paar Kilometer weiter sehe ich im Augenwinkel wie ein Tankwart einen Schlauch in der Hand hält und mit dem Wasserstrahl den Boden reinigt. Sofort ziehe ich die Bremse. Der Mann erblickt mich und den Hund, weiß gleich was ich möchte, und reicht mir den Schlauch. 10 Minuten später ist Ajaci wieder weiß und einigermaßen geruchsneutral.

Am frühen Nachmittag finden wir in einem Dorf ein einfaches Motel. Wir sind dankbar, als uns die Besitzerin erlaubt unsere Räder mit Anhänger in das große Zimmer rollen zu dürfen. Somit werden wir an diesem Tag mit einem der einfachsten check in der letzten zwei Jahre beschenkt…

Wer mehr über unsere Abenteuer erfahren möchte, findet unsere Bücher unter diesem Link.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen Gesat GmbH: www.gesat.com und roda computer GmbH http://roda-computer.com/ Das Sattelitentelefon Explorer 300 von Gesat und das rugged Notebook Pegasus RP9 von Roda sind die Stützsäulen der Übertragung.


Wir freuen uns über Kommentare!

Datum:
29.05.2017

Tag: 699

Land:
Kambodscha

Provinz
Takeo

Ort:
Takeo

Breitengrad N:
10°59’52.4’’

Längengrad E:
104°44’54.0’’

Tageskilometer:
103 km

Gesamtkilometer:
23.820 km

Luftlinie:
76 km

Durchschnitts Geschwindigkeit:
24 km/h

Maximale Geschwindigkeit:
28.6 km/h

Fahrzeit:
4:17 Std.

Bodenbeschaffenheit:
Asphalt

Maximale Höhe:
45 m

Gesamthöhenmeter:
71.107 m

Höhenmeter für den Tag:
89 m

Sonnenaufgang:
05:37 Uhr

Sonnenuntergang:
18:19 Uhr

Temperatur Tag max:
32°C

Aufbruch:
07:30 Uhr

Ankunftszeit:
14:00 Uhr