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Seit der Steinzeit bewohnt - Inselgruppe Vesterålen

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Ich blicke aus dem Fenster unserer Terra Love. Tiefliegende blaurosafarbene Wolken ziehen sich über eine weitläufige Bucht. Weit im Westen am Horizont ist das zackige Band einer Bergkette erkennbar, die sich unter das farbenprächtige Wolkenband duckt und durch die sanften Strahlen der Sonne in einem leichten Orange erglimmt. Mit jeder weiteren Minute klettert der Sonnenstern auf unsere Seite der Erdkugel, die Strahlen der Sonne erstarken mehr und mehr und lassen den Hintergrund der Bergsilhouette urplötzlich in einem kräftigen Orange erglühen. Kaum haben sie es geschafft, die fernen Gipfel zu bezwingen, beleuchten sie die weite Wasserfläche, die an dem völlig windstillen Morgen wie ein polierter Spiegel wirkt. Lichtreflexionen treffen auf unsere Terra Love und Augenblicke später den Bergrücken hinter uns, an dessen Fuß sich herbstfarbene Laubbäume säumen. Ab da, wo die Bäume keinen Halt im Felsen finden zieht sich im jungfräulichen Sonnenlicht ein goldgelber Farbenteppich nahezu bis zum Gipfel. Fasziniert blicken wir aus dem Fenster und beobachten das Schauspiel des Lichtes.

Nach unserem kraftspendenden Frühstück verlassen wir den wunderbaren Platz und setzen unsere Fahrt über Lofoten in Richtung Festland fort. Wir verlassen die kleine Insel Gimsøy, die zwischen den Hauptinseln Austvågøya und Vestvågøy regelrecht eingeklemmt ist und im Vergleich zu ihren Inselnachbarn ein relativ flaches Erscheinungsbild besitzt. Ein Großteil der Landschaft besteht aus Torfmooren, den man in den vergangenen Zeiten abbaute. Da es auf Lofoten kaum Bäume gab, war der Torf der einzige Brennstoff der Bevölkerung. Heute steht die ganze Insel unter Naturschutz und weil man keinen Torf mehr abbauen darf, sind viele Bewohner auf die Nachbarinseln umgezogen. Dann führt uns die E 10 auf Austvågøya der zweitgrößten Insel der Lofotenkette, bis wir Hinnøya erreichen, die mit Ausnahme der Inselgruppe Spitzbergen die größte norwegische Insel ist. Die Inselgruppe Lofoten liegen nun hinter uns und die Inselgruppe Vesterålen, die aus sechs Inseln besteht und sich etwa 300 nördlich des Polarkreises befindet, liegt vor uns. „Von Atoll zu Atoll“, sagt Tanja belustigt, obwohl wir durch die Brücken und Tunnelverbindungen kaum bemerken, dass die jeweiligen Landmassen durch Fjorde, Buchten und Meeresarme voneinander getrennt sind. „Früher, als es noch keine Brücken und Tunnelverbindungen gab, waren die Einwohner gezwungen, in kleinen Ruder- oder Segelbooten zu reisen. Die Wege waren somit oftmals weit, das Reisen anstrengend, mühevoll und manchmal gefährlich“, sage ich die Terra wieder über eine Brücke steuernd. „Kann mir gut vorstellen, dass das Reisen für die Inselbewohner damals so beschwerlich war, dass viele ihre kleine Welt nie verließen“, meint Tanja. „Ganz bestimmt war es so. Abgesehen davon gehört das Reisen auch heute noch zum absoluten Luxus.“ „Wie meinst du das?“ „Denke das von den 7,7 Milliarden Menschen, die im Augenblick auf unseren Planeten leben, nur ein relativ kleiner Teil wirklich verreisen kann. Durch den wachsenden Wohlstand auf unseren Planeten können es sich zwar immer mehr Menschen erlauben, zu verreisen, aber viele Inder, Afrikaner usw. werden nicht viel mehr sehen als ihr Dorf, in dem sie geboren wurden. Die offiziellen Zahlen der Weltbank sind erschreckend, denn knapp die Hälfte der Weltbevölkerung lebt von weniger als 5,50 Dollar am Tag.“ „5,50 Dollar am Tag?“, wiederholt Tanja erschrocken. „Ja und ca. 10 % der Weltbevölkerung hat weniger als 2 Dollar am Tag.“ „Unglaublich, und wir fahren hier monatelang in einem hochpreisigen Expeditionsmobil durch eines der teuersten Länder Welt“, sagt Tanja. „Stimmt. Das heißt, wir gehören zu den privilegierten Menschen auf dieser Erde.“ „Ich weiß, das war und ist mir schon lange bewusst. Ich bin dafür in täglicher und unendlicher Dankbarkeit.“ „Ich auch“, sage ich durch unser Gespräch noch dankbarer, als ich vorher schon war, auf die märchenhafte Landschaft blickend, die nicht aufhören möchte, mit ihrer endlosen Schönheit zu prahlen.

Wir verlassen die Europastraße 10 und folgen nun der RV 85. Über uns erstreckt sich ein stahlblauer Himmel, in dessen Kontrast die goldene Herbstfärbung, die klaren Wasser der zahlreichen Fjorde, die beeindruckenden Berge und Täler stehen. Auch wenn Vesterålen ca. 300 Kilometer nördlich des Polarkreises und auf derselben Höhe wie Grönland liegt, ist das Klima aufgrund des Golfstroms sehr mild. „Wie kalt wird es hier im Winter?“, möchte Tanja wissen. „Im kältesten Monat Februar liegt die Durchschnittstemperatur bei minus 2 ° Grad. Bei uns im Frankenland sind es plus 3 ° Grad“, rezitiere ich. „Das heißt hier im hohen Norden kann man recht gut leben. Ganz anders, als ich mir das immer vorgestellt hatte.“ „Ja, also kein Wunder, das auch diese Inselgruppe nachweislich schon vor 6000 Jahren von Jägern und Sammlern, die sich in erster Linie vom Fischfang und der Jagd ernährten, hier niedergelassen haben. Die jüngsten Funde von 11.000 Jahre alter Holzkohle beweisen sogar, dass hier schon während der skandinavischen Steinzeit Menschen wohnten. Auch gibt es hier alte Felszeichnungen an der Küste, die auf mannigfaltige menschliche Aktivitäten in der jüngeren Bronzezeit schließen lässt. Vielleicht haben wir ja noch die Gelegenheit, sie zu besichtigen?“ „Wenn die Zeichnungen auf unserem Weg liegen, warum nicht. Ansonsten sollten wir nach der Walsafari weiter Richtung Nordkap fahren. Wer weiß, wann hier der Winter zuschlägt, und ich möchte dich daran erinnern, dass wir keine Schneeketten dabeihaben“, wirft Tanja ein.

Datum:
01.10.2020

Tag: 060

Land:
Norwegen

Ort:
Andenes

Tageskilometer:
232 km

Gesamtkilometer:
5444 km

Bodenbeschaffenheit:
Asphalt

Fähre
0

Brückenüberquerungen:
13

Tunneldurchfahrten:
10

Sonnenaufgang:
07:04

Sonnenuntergang:
18:39

Temperatur Tag max:
14°

Temperatur Nacht min:

Aufbruch:
11:30

Ankunftszeit:
17:00

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