« Zurück       Weiter »

Alarm und im Unterdeck eingesperrt



(Zur größeren Ansicht und für die Bildunterschrift in das Bild hineinklicken)

LINK ZUR REISEROUTE

„Was für ein geiles Gefühl endlich wieder frei zu sein!“, rufe ich in den Wind, als wir am Heck der Fähre stehen und auf das sich entfernenden Ufers Dänemarks blicken. „Ja, Norwegen wir kommen“, freut sich Tanja mich umarmend. Nur Sekundenbruchteile später ertönt ein schrilles Alarmgeräusch. „Was ist denn das?“, fragt Tanja erschrocken. „Es kommt vom Unterdeck. Oh Gott, es sind die Alarmanlagen der Autos“, sage ich. „Fotografiere das Ablegen, ich sehe mal, ob es unsere Terra ist“, meint Tanja und eilt davon. 15 Minuten später ist Tanja noch immer nicht zurück. Mir Gedanken machend, laufe ich die Stufen zum Deck drei nach unten. Als ich die schwere Stahltür zum Autodeck öffnen möchte, ist sie verschlossen. „Alle Zugänge zu den Autodecks werden kurz nach dem Ablegen immer geschlossen“, erklärt mir ein Passagier lächelnd. „Was? Warum das denn?“, frage ich erschrocken, weil ich davon ausgehe, dass Tanja nun im Bauch des großen Schiffes eingeschlossen ist. „Es soll vorgekommen sein, dass Banden mehrere Fahrzeuge einfach abgefackelt haben. Wenn man den Gästen den Zugang zu den Autos verwehrt, kann in der Abwesenheit jener nicht mehr eingebrochen, gestohlen oder etwas kaputt gemacht werden. Abgesehen davon ist es auch schon vorgekommen, dass bei Wellengang die Autos ineinander geschoben wurden. Es ist also nicht sicher während der Überfahrt zwischen den Autos herumzuspazieren. Nicht alle ziehen die Handbremse an, müssen sie verstehen.“ „Na das fängt ja gut an“, meine ich und frage mich, was ich jetzt tun soll, um Tanja aus ihrer Lage zu befreien. „Sie können zum Servicecenter gehen und den Verlust ihrer Frau melden“, lacht der Norweger. „Gute Idee“, antworte ich mich bedankend und stapfe die frisch gestrichenen, weißen Stahltreppen wieder nach oben. Auf den Passagierdecks angelangt bin ich gezwungen mich durch die Menschenmassen zu quetschen. Überall sitzen und liegen die Urlauber, Traveller, und Pendler herum. Jeder Winkel des Stahlkolosses scheint besetzt zu sein. Am Serviceschalter angekommen überlege ich es mir anders. Wenn Tanja noch dort unten ist, wird sie es sich in der Terra bequem gemacht haben. Das ist tausendmal besser und unvergleichlich bequemer als hier, geht es mir durch den Kopf.

Obwohl die Überfahrt nach Norwegen nur 3 1/2 Stunden dauern soll, wundere ich mich über den großen Hunger den die Gäste an den Tag legen, denn es wird im großen Umfang teures Fast- und Junkfood verspeist und mit Softdrinks hinuntergespült. Es riecht nach altem Fett, Currywurst und Ketchup. Eine halbe Stunde irre ich durch und über die Decks und finde neben zwei älteren Damen einen unbequemen Sitzplatz. „Gerne dürfen sie sich hier hinsetzen“, sagt die eine, während die andere mir freundlich zuzwinkert. Auch die beiden naschen Kuchen, trinken Kaffee und zur Abrundung gibt es einen Teller Fritten. Weil die Zwei sich offensichtlich seit Jahren nicht mehr gesehen haben und unaufhörlich laut schnattern und lachen, entschuldige ich mich und wandle wieder durch die Räume. Selbst auf den Treppenstufen liegen mittlerweile Menschen und versuchen zu schlafen. Wenn Tanja wüsste, was für ein Glück sie hat, denke ich und sichte einen Platz zwischen einer Familie, die sich die Zeit der Überfahrt mit Kartenspielen vertreibt. Ich kaure mich in die Ecke und versuche zu schlafen. Keine Chance. Es ist einfach zu laut und unbequem. Um 2:00 Uhr morgens ertönt die Stimme des Kapitäns. „Die Türen zu den Unterdecks werden in wenigen Minuten wieder geöffnet!“ Unten angelangt mache ich mich auf den Weg zu unserem Expeditionsmobil. „Na wie war’s da oben?“, fragt Tanja bestens gelaunt. „Voll, hektisch und sehr unbequem“, meine ich. „Du Armer. Ich hatte eine super Zeit. Als ich die verschlossenen Türen bemerkte, bin ich in die Terra gegangen, habe erst ein wenig gelesen und bis du gekommen bist geschlafen.“

Wie ein gähnendes Riesenmaul öffnet sich langsam die Ladeluke des Fährschiffes. Im Schritttempo lasse ich unsere Terra von Bord rollen. Etwa 100 Meter vor uns sehen wir die Kontrollposten der Norweger. Einige Männer in Uniform winken die Fahrzeuge vorbei. Wir sind nervös. Eine Tierärztin hatte uns vor wenigen Tagen noch berichtet, dass sie einmal nicht die Pharmazentralnummer (PZN) des verabreichten Impfstoffes in den Impfpass eines Hundes eingetragen hatte. Daraufhin durfte der Hund nicht nach Norwegen einreisen. Das hatte zur Folge, dass die Reisenden mit der nächsten Fähre wieder zurück nach Dänemark mussten. Wenn man bedenkt, dass die Fährgesellschaft für unsere Schiffspassage während der Hauptsaison für eine einfache Überfahrt 500,- € verlangt, wäre das eine sehr kostspielige Sache. Aber das ist noch nicht alles, denn die Norweger fordern für Hunde eine Bandwurmimpfung die nicht älter als 120 Stunde alt sein darf. Müssten wir wieder zurück, wäre diese Zeit für uns abgelaufen und Ajaci würde eine neue Bandwurmimpfung benötigen, um erneut einreisen zu dürfen. „Wird schon gut gehen. Ajacis Impfpass ist in Ordnung, wegen der Bandwurmimpfung befinden wir uns in der vorgeschriebenen Zeit und die Ärztin hat extra darauf geachtet auch diese Kennzeichnungsnummer der Impfstoffe einzutragen“, meine ich.

Die Autoschlange schleicht an den Kontrollposten vorbei. Weil wir bei der Einreise unseren Hund deklarieren müssen, befinden wir uns im sogenannten roten Kanal. „Willkommen in Norwegen“, ruft ein Zöllner aus dem Fenster des Überwachungsgebäudes und winkt uns freundlich weiter. „Juhu“, freut sich Tanja, als wir den Hafen hinter uns lassen und die ersten Meter durch das nächtliche Norwegen fahren, um unweit hinter der Hafenstadt Larvik auf einem Parkplatz zu halten, um bis zum nahenden Morgen eine Mütze Schlaf zu nehmen...

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 07

Land:
Dänemark


Ort:
Hirtshals / Larvik

Tageskilometer:
135 km


Gesamtkilometer:
1.135


Luftlinie:
127 km

Durchschn. Geschwindigkeit
65 kmh

Bodenbeschaffenheit:

Asphalt

Maximale Höhe:
30 m