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Im Land der Trolle und Fabelwesen



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Wir lassen die Stadt hinter uns und folgen einem steinigen Pfad, der steil nach oben führt. Schwere Baumstämme liegen quer über dem Weg und sollen sicherlich das bei Regen herabstürzende Wasser bremsen. Weil es hier laut Wetteraufzeichnung ca. 248 Tage im Jahr regnet, gehört Bergen zu den regenreichste Großstädten Europas. Daher haben wir heute Glück, denn bei ca. 20 Grad im Schatten und blauem Himmel, geraten wir regelrecht ins Schwitzen. Nach ein paar hundert Meter wird der felsige Weg schmäler und zusehend vom dicht bewachsenen Wald bedrängt. Zweifelsohne befinden wir uns ab jetzt im Reich der Trolle, die sich hinter Baumstämmen und Wurzeln vor uns verstecken. Nach der nordischen Mythologie sind Trolle bisher kaum erforschte, sehr scheue Fabelwesen in Menschengestalt, die bereits seit grauer Vorzeit hier leben. Manche von ihnen werden mehrere tausend Jahre alt. Es können grobe, ungeschlachtete Wesen mit langen oder Knollennasen und länglichen spitzen Ohren sein. Einige von ihnen sind angeblich drei Köpfe und neun Schwänze gewachsen. Zu dem Überbegriff Trolle zählen unter anderem auch Zwerge, Berggeister, Feen und Elfen. Die meisten dieser Wesen sind dem Menschen wohl gesonnen, es soll aber auch welche geben die uns nach dem Leben trachten. Trolle besitzen eine andere Anatomie als Menschen. Ihr Körper ist mit einem braunen, manchmal grauen Fell bewachsen. Sie haben nur drei Finger und einen Daumen und an den Füßen vier Zehen. Ihr Hörvermögen ist mit dem eines Hundes vergleichbar und Augen besitzen sie wie ein Adler. Neben wenigen Zentimeter kleinen Gestalten leben auch halbe Riesen in den Bergen und Wäldern. Weil sie sich meist nachts und noch dazu extrem leise und schnell bewegen, können wir Menschen sie kaum wahrnehmen. Sie ernähren sich wie die menschlichen Erdenbürger noch bevor es Supermärkte gab von Pflanzen und heimischen Tieren. Im Sommer sammeln sie Pilze, Bären und am liebsten essen sie Früchte.


Früher glaubte wahrscheinlich jeder Skandinavier an Trolle, sogar heute gibt es Touristen aus aller Welt, die fest davon überzeugt sind, dass diese Geistwesen existieren. Die Norweger haben sogar Trollheimen, eine Berglandschaft in Mittelnorwegen oder der Trollstigen, eine der bekanntesten Touristen Passstraßen nach ihnen benannt. Bei der menschenleeren Landschaft, ewigen Wäldern, den wabernden Nebelwänden, geisterhaften Wolkengebilden, den groben Felsen, den 188 Bergen und Gebirgszügen, den 300, teils reißenden Flüssen und Gebirgsflüssen, imposanten Wasserfällen, 50 Fjorden, 150.000 Inseln und den extremen Wintern, kein Wunder. Trolle sind ein Teil der Natur und so alt wie das frühe Leben auf unserer Mutter Erde. Viel später mischte sich der Mensch unter sie und seither erzählen die Großeltern ihren Enkeln von ihnen, erzählen die Geschichten und Mythen einer Parallelwelt die aus Norwegen nicht mehr wegzudenken ist.

Eine leichte Windböe lässt die Nadeln und Blätter der Bäume um uns herum erzittern. Aufmerksam blicke ich nach links und rechts. War da was? Hat sich dort hinter dem Felsen etwas bewegt. Eindeutig konnte ich eine Bewegung wahrnehmen. Oder habe ich mich getäuscht? War das nur eine Einbildung? Das kühle Wasser im Bach neben uns rauscht zu Tal. Es plätschert über die rauen, eckigen mit Moos bewachsenen Felsen und benetzt großzügig die saftigen Farne an seinem Ufer. Ein paar Vögel zwitschern aufgeregt, flattern in die Höhe und lassen sich tiefer im Wald auf einen anderen Baum nieder. Wer hat sie dort aufgescheucht? Als der Wald sich für einige Augenblicke lichtet sehen wir unter uns die Stadt Bergen mit ihrem Hafen, einer der geschäftigsten Seehäfen Europas, von dem aus die Schiffe der Hurtigruten starten. Wir sind verblüfft wie schnell wir an Höhe gewinnen. Plötzlich taucht ein echter Troll vor uns auf. „So sehen sie also aus“, sagt Tanja und bleibt vor der Holzfigur stehen, um sie genauer zu betrachten. „Schau mal dort ist ein Wegzeichen am Baum“, sage ich auf eine Hexe deutend, die auf ihren Besen in Richtung Westen fliegt. Wir erreichen einen See dessen Ufer an Wälder grenzen. Niedrige, mit Büschen und Gras bewachsene Berge umrahmen das Gewässer. Wieder werfen wir einen Blick auf die kleiner gewordene Stadt. „Wenn wir heute noch weiterfahren wollen, sollten wir umkehren“, sage ich. „Schade, ist wirklich sehr schön hier. Aber du hast recht wollen ja noch ein paar Kilometer in Richtung Nordkap hinter uns bringen.“


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Noch am Nachmittag rollen die Reifen der Terra über das Kopfsteinpflaster der Hafenstadt. Die schräg stehende Sonne weist uns den Weg in Richtung Norden. Wieder müssen wir drei Fähren nutzen, um über die Fjorde und Meerengen zu gelangen. Obwohl die Fahrt an der Westküste des Landes länger dauert und wegen den vielen Fährverbindungen viel teurer ist, wollen wir ihr folgen. Die Küstenlandschaft ist atemberaubend schön und jeden Kilometer Umweg wert. „Pass auf!“, rufe ich erschrocken aus, als uns auf einer schmalen Gebirgsstraße ein Lastwagen entgegenkommt. Tanja reagiert schnell und fährt rechts ran. Sie legt den Rückwärtsgang ein und lässt die Terra langsam zurückrollen. „Da ist die Ausweichnische“, sage ich, worauf Tanja unser Mobil da hineinmanövriert. Tuuhhht! Bedankt sich der LKW-Fahrer und schleicht mit wenigen Zentimeter Abstand an uns vorbei. Nach sechs Stunden Fahrt kommen wir an einem schön gelegenen öffentlichen Parkplatz an. Es ist 23:00 Uhr und da die Sonne an diesem Tag erst um 23:10 Uhr untergeht, noch immer hell. Bis nachts um 24:30 Uhr sitzen wir in unserer gemütlichen Terra, trinken ein paar Bier und lassen den traumhaften Tag Revue passieren. „Ich freue mich schon jetzt auch morgen“, sagt Tanja leise gähnend. „Ich auch“, antworte ich und blicke so lange aus den Fenstern bis mir ebenfalls die Augen zufallen...

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Tag: 10

Land:
Norwegen

Land:
Norwegen

Ort:
Camperparkplatz

Tageskilometer:
414 km

Gesamtkilometer:
2138 km

Luftlinie:
253

Bodenbeschaffenheit:
Asphalt

Maximale Höhe:
250 m

Sonnenaufgang:
04:05 Uhr

Sonnenuntergang:
23:10 Uhr

Temperatur Tag max:
20°

Temperatur Tag min:
14°

Temperatur Nacht:
12°